Ausweg aus den Drogen


Ein Ausweg aus den Drogen ist zu jedem Zeitpunkt möglich!

Ich hab´s nicht mehr im Griff

Als junger Mensch kann man leicht in die Drogen geraten, sei es aus Neugier oder aus einer Stimmung heraus, oder weil man mitmachen möchte, oder weil falsche Freunde einen dazu bringen, oder weil man nicht Bescheid weiss. Plötzlich merkt man, dass man ständig Drogen nimmt oder braucht. Es fällt einem auf, dass man oft daran denkt, wann man wieder Drogen nehmen kann. Einige Tage ohne Drogen zu sein fällt schwer. Oder es fällt einem auf, dass man sich verändert hat, dass die Freunde sich abwenden, dass man das Interesse an Dingen verloren hat, die man früher sehr gerne getan hat, dass man in seiner Entwicklung stehenbleibt. Oder einem guten Freund oder einer guten Freundin geht es so. Spätestens dann sollte man sich fragen, was man dagegen tun kann. Eine gute Möglichkeit ist, sich an einen Arzt zu wenden.

Wie merke ich, dass ich drogensüchtig bin?

  • Ich nehme wiederholt Drogen (auch Cannabis ist eine Droge).
  • Ich denke oft daran, wann ich wieder Drogen einnehmen kann.
  • Es fällt mir schwer, einige Tage ohne Drogen zu sein.
  • Kaum ist die Wirkung abgeklungen, denke ich schon an den nächsten Konsum.

Bei jeder Droge gibt es auch schon negative Auswirkungen, bevor eine Abhängigkeit besteht. Auch wer vor allem an Wochenenden konsumiert, ist süchtig.

Persönlichkeitsveränderung

Jedes Rauschgift schädigt über kurz oder lang die Persönlichkeit des Menschen. Von Freunden eines Süchtigen hört man oft: Er ist nicht mehr derselbe, oder: Sie hat sich total verändert. Viele Drogenabhängige merken es auch an sich selbst und an den schwieriger werdenden Freundschaften. Ein Rauschzustand verändert chemisch das Denken und Fühlen. Je mehr und je länger der Mensch in einem solchen Zustand bleibt, desto mehr schädigt er sich. Das persönliche Erleben verändert sich. Ein Gefühl der Leere, der Sinnlosigkeit, der Ziellosigkeit tritt auf, das man dann immer wieder mit Drogen bekämpfen will. Mit der Zeit entwickelt sich als Dauerzustand das sogenannte amotivationale Syndrom, ein Zustand der Interesselosigkeit, Lustlosigkeit und Passivität. Manchmal merkt man gar nicht, dass dieser Zustand durch die Drogen verursacht wird, sondern denkt, man sei einfach faul, oder es sei normal, dass junge Leute so lustlos sind.

Warum drogenfrei?

1. Drogen bestimmen chemisch im Gehirn das Erleben und die Gefühle des Menschen. Das führt über kurz oder lang zu einer Schädigung der Persönlichkeit. Deshalb muss der schädigende Stoff so rasch wie möglich gemieden werden.

2. Alle Rauschgifte sind auch körperlich schädlich.

3. Kennzeichen jeder Sucht ist der Kontrollverlust. Die Rückfallgefahr ist sehr viel grösser, wenn der Kontakt zu Drogen und zur Drogenszene nicht ganz abgebrochen wird.

4. Der erfolgreiche körperliche Entzug bringt ein erstes Erfolgserlebnis, das für die nachfolgende Stabilisierung sehr wichtig ist.

5. Das amotivationale Syndrom (siehe oben) kann ausheilen, wenn man keine Drogen mehr nimmt.

6. Beginnt man drogenfrei zu leben, so gewinnt man wieder Selbstwertgefühl. Man kann vieles neu aufbauen, was man in der Zeit unter Drogeneinfluss verpasst hat.

7. Eine Psychotherapie kann nur mit klarem Kopf und drogenfrei zum Erfolg führen.

8. Wenn man aufhört, Drogen zu nehmen, ist man ein Vorbild für seine Freunde und kann manchem helfen, es auch ohne Drogen zu versuchen.

Wer kann am besten helfen?

Wenn man süchtig ist, schwankt die Motivation, mit dem Rauschgift aufzuhören, oft von Tag zu Tag und von Stunde zu Stunde. Deshalb ist es sehr wichtig, dass diese Motivation gestärkt wird. Der Drogensüchtige, der von den Drogen wegkommen will, sollte sich deshalb jemanden suchen, der nicht lockerlässt und ihn nicht aufgibt. Er braucht jemanden mit der richtigen Mischung aus Freundschaftlichkeit ihm gegenüber und konsequenter Haltung gegen die Drogen. Er braucht auch jemanden, der ihm immer wieder die Hoffnung darauf vermittelt, was er nach der Therapie erreichen kann. Dies gilt für alle Menschen, die jemanden auf dem Weg aus den Drogen begleiten: Ärzte, Angehörige, Freunde.

Der Behandlungsablauf

Je nach Droge und individueller Problematik besteht die Behandlung aus folgenden Schritten:

  • Erster Kontakt mit einem Arzt oder einer Beratungsstelle
  • Körperlicher Entzug und Erholung meistens in einer Entzugsstation oder im Spital für etwa zwei Wochen
  • Psychische Entwöhnung in einer Klinik für Suchtkrankheiten oder in einer therapeutischen Gemeinschaft oder ambulant über viele Monate oder Jahre
  • Wiedereingliederung und Arbeitsaufnahme, zum Beispiel in einer Aussenwohngruppe
  • Nachbetreuung in einer Arztpraxis oder einer Beratungsstelle, einzeln oder in einer Gruppe
  • Bei Bedarf psychotherapeutische Behandlung

Ambulante oder stationäre Behandlung?

Ist nur noch wenig seelische Stabilität und Fähigkeit zur Selbstverantwortung vorhanden oder besteht eine schwierige familiäre oder soziale Situation, dann genügt eine ambulante Behandlung oft nicht. Die schnell aufeinanderfolgenden Phasen von Drogenverzicht und Rückfall können den Süchtigen so schwächen, dass er Gefahr läuft aufzugeben. In solchen Fällen bietet eine stationäre Therapie den richtigen, schützenden Rahmen. Auch körperliche Folgen der Sucht können eine stationäre Behandlung notwendig machen.

Der körperliche Entzug

Der Entzug von den Rauschgiften ist harmloser und undramatischer als man glaubt. Man kann den Entzug in leichteren Fälle daheim, ansonsten in einer Entzugsstation in einer psychiatrischen Klinik oder im Spital machen. Beim Entzug im Falle von kombinierten Abhängigkeiten mit regelmässiger Einnahme von Drogen, Alkohol und Medikamenten ist eine Überwachung im Spital notwendig.

Heroinsüchtige erleiden je nach Schweregrad der Sucht Entzugssymptome in Form von grippeartigen Beschwerden, wie Frieren, Schwitzen, Gliederschmerzen, Bauchkrämpfen, Schlafstörungen, Naselaufen. Diese Symptome sind fast immer harmlos und können ohne Medikamente überstanden werden.

Der Kokainentzug ist gekennzeichnet von hartnäckigen Depressionen und Schlafstörungen. Ähnlich verläuft auch der Entzug von Amphetaminen und Ecstasy.

Der Entzug von Cannabis dauert wegen der langsamen Ausscheidung dieser Droge über viele Wochen und verursacht oft hartnäckige Schlafstörungen, Ruhelosigkeit und Ängste.

Beim gleichzeitigen Entzug mehrerer Substanzen und besonders auch von Alkohol und Schlafmitteln (Benzodiazepinen) drohen epileptische Anfälle, weshalb eine ärztliche Überwachung notwendig ist.

Der Entzug ist der erste Schritt einer erfolgversprechenden Suchtbehandlung.

Die Langzeittherapie zur Entwöhnung

Nach dem körperlichen Entzug und der körperlichen Erholung stehen seelische Entwicklungsschritte im Vordergrund. Ziel ist die Förderung der Persönlichkeit, das Erlernen eines Lebens mit echten Gefühlen und Stimmungen ohne Drogeneinfluss. Wer schon als Jugendlicher mit dem Drogenkonsum begonnen hat, konnte oft seine Persönlichkeit noch gar nicht richtig entfalten. Manchmal schmerzt es, wenn man dies in nüchternem Zustand im Vergleich mit Gleichaltrigen, die keine Drogen genommen haben, bemerkt. Aber sobald man mit den Drogen aufgehört hat, geht die Entwicklung unmittelbar weiter, und man kann schon während der Behandlung beginnen, alles nachzuholen, was man will ﷓ zum Beispiel auch schulische oder berufliche Defizite auffüllen. Ärzte und Betreuer in Therapieeinrichtungen oder Wohngemeinschaften helfen dabei gerne mit.

Das Zusammenleben in einer therapeutischen Gemeinschaft ermöglicht vielfältige Lernschritte bei der Bewältigung des Alltags und für die zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Stärkung der Persönlichkeit steht im Vordergrund. Es ist wichtig, sich neue Ziele zu setzen und den Mut zu entwickeln, etwas anzupacken und vor allem auch durchzuhalten. Auch die zwischenmenschliche Beziehungsfähigkeit muss oft wieder verbessert werden, weil sie durch die Drogen geschwächt sein kann. Es ist wichtig, sich selber und seine Gefühle zu kennen und sie zeigen zu lernen, anderen zuzuhören und sich in andere einfühlen und Mitgefühl empfinden zu lernen.

Nachbehandlung und Wiedereingliederung

Nach einer Entwöhnung von den Drogen oder einem Aufenthalt in einer Therapieeinrichtung kommt die Phase der Wiedereingliederung ins Alltags- und Berufsleben. Der Alltag ohne Drogen muss weiter trainiert werden. Dabei ist es ganz wichtig, die Drogenszene und die ehemaligen Kollegen zu meiden, damit man nicht wieder in Versuchung kommt. Ebenso wichtig ist es, viele Gelegenheiten wahrzunehmen, Kontakte mit nicht drogensüchtigen Gleichaltrigen zu knüpfen.

In vielen Therapieeinrichtungen gibt es betreute Wohngruppen, in denen sich ehemals Süchtige gegenseitig unterstützen können. So können sie die auftretenden Schwierigkeiten gemeinsam meistern lernen. Auch eine ambulante Weiterbehandlung beim Arzt oder in einer Betreuungsstelle, einzeln oder in einer Gruppe, kann für eine erfolgreiche Wiedereingliederung entscheidend sein.

Medikamentöse Behandlung

Für die Behandlung der Symptome des akuten Entzugs stehen dem Arzt eine Reihe von wirksamen Medikamenten zur Verfügung.

Drogenersatzstoffe wie Methadon oder Buprenorphin sind auf Dauer keine Lösung. Beide Substanzen sind – wie Heroin – Opiate und machen stark süchtig. Auch die Abgabe von Heroin bedeutet, dass der Süchtige in der Drogensucht belassen wird, denn ohne Entzug und Entwöhnung kommt keiner von den Drogen weg. Nimmt ein Mensch vor einem Entzug noch längere Zeit Heroin, schiebt er den Behandlungsbeginn lediglich hinaus.

Naltrexon ist ein Medikament, das alle Opiate unwirksam macht. Es wird für den Heroinentzug in Narkose eingesetzt. Naltrexon kann einem ehemaligen Heroinsüchtigen helfen, Rückfälle zu umgehen.

Rückfälle

Der Ausstieg aus den Drogen braucht viel Ausdauer. Die chemische Wirkung des Rauschgiftes löst ein Verlangen nach erneuter Einnahme aus. Deshalb muss man sich für einen Rückfall nicht schämen. Je eher man seinen Helfern davon erzählt und überlegt, wie man ihn das nächste Mal vermeiden kann, desto schneller kommt man wieder auf die Beine. Je länger man durchhält, auf Drogen zu verzichten, desto kleiner wird das Verlangen. Es geht einfach darum, die erste Zeit zu überbrücken, und mit der Zeit wird es immer leichter.

Es ist wichtig, bei jedem einzelnen die kritischen Punkte herauszufinden, wann er Gefahr läuft, wieder rückfällig zu werden. Das kann beim einen der Moment sein, wenn er Geld in der Tasche hat, beim anderen, wenn er an eine Party geht, beim nächsten, wenn er eine bestimmte Musik hört oder nach der Arbeit nach Hause kommt und der Drogenkosum bereits zu einem Ritual geworden ist, wenn er in ein bestimmtes Quartier geht, in dem er schon Drogen gekauft hat, oder bestimmte Leute trifft usw. Genau für diesen kritischen Punkt ist es dann wichtig, Gegenstrategien zu entwickeln und die kritischen Situationen zu meiden.

Eine Chance gibt es immer!

Je früher eine Therapie beginnt, desto besser sind die Chancen, drogenfrei zu werden. Es kann passieren, dass man rückfällig wird, aber trotzdem darf man den Mut nicht aufgeben, denn: Wenn man erst einmal damit begonnen hat, sich aus den Drogen herauszuarbeiten, erwachsen einem mit jedem Schritt Kräfte, die man vorher an sich gar nicht mehr kannte und die sehr dabei helfen, den begonnenen Weg durchzuhalten. Wenn man dazu noch die Hilfe von Angehörigen, Freunden oder einem Arzt hat, wird es erst recht gut gehen. Man ist dann stolz und freut sich, was man alles erreichen kann.

 

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Februar 2006



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